· 

Der schwäbische Blautopf ist ein faszinierendes Wunder der Natur

Von Bayern aus die Welt bereisen, erkunden und bewundern

Blaubeuren hat ein Naturwunder als Touristenattraktion

Blautopf in Blaubeuren
Der schwäbische Blautopf in Blaubeuren ist ein mystisches Gewässer, das enorm in die Tiefe geht

 

Kürzlich unternahm ich mit den Reisefreunden Mamming einen Tagesausflug nach Blaubeuren..

Rückwirkend musste ich feststellen, dass es wortwörtlich eine Fahrt ins Blaue war. Die Farbe Blau spielt nämlich in dieser Stadt im Alb-Donau-Kreis eine gravierende Rolle. Sie steckt im Namen der besuchten Stadt, es gibt einen zweiundzwanzig Kilometer langen Fluß namens Blau, Zwölf Kilometer entfernt liegt die Stadt Blaustein und nicht zu vergessen das Blautal, das zum Radfahren und Besichtigen einiger Sehenswürdigkeiten einlädt. Doch einer steht ganz oben in der Liste der Highlights, die Blaubeuren zu bieten hat, das ist der Blautopf . Dabei handelt es sich nach dem Aachtopf um die größte Karstquelle Deutschlands.

 

Die erste Resonanz einiger unserer Reisefreunde war, als wir den kleinen Tümpel, der sich unserem Blickfeld erschloß, erblickten, kennt man eigentlich nur, wenn man einen Betrunkenen sieht: Ist der blau. Einige meinten: Das ist doch nicht natürlich. Da hat man doch nachgeholfen und ein paar Fässer Tinte hineingeschüttet. 

 

In der Tat ranken sich viele mystische und märchenhafte Geschichten um ihn. Kein Wunder, schimmert er doch je nach Lichteinfall und Wetterlage unglaublich blau-türkis-grün. Doch es gibt eine einleuchtende Erklärung dafür.

Ein Quelltopf ist eine kesselartige Vertiefung mit Wasseraustritt

Der Name Karst bezeichnete ursprünglich eine spezielle Kalkregion in Slowenien. Heute wird der Betriff allgemein als Fachausdruck für Landschaften verwendet, die sich durch unterirdische Entwässerung aufgrund von Höhlen sowie oberirdischen Erscheinigungen, wie Dolinen und Karstwannen, auszeichnen. Karstquellen sind natürliche Stellen, an denen Wasser austritt. Es handelt sich dabei nicht um Grundwasser, das in der Regel nur in geringen aber gleichmäßigen Mengen austritt, sondern um Regen-und Oberflächenwasser, das in den rissigen und zerklüfteten Karstgebieten sehr schnell in unterirdische Höhlen-und Gangsysteme versickert. Darin fließt es zunächst weiter, bis es an den Karsträndern schließlich wieder austritt. Die Stärke des Austritts ist stark wetterabhängig. Nach starkem Regen oder Schneeschmelze ist es besonders kräftig. In trockenen Sommern dagegen kann es zum Trockenfallen von Karstquellen kommen. Als Quelltopf wird die kesselartige Vertiefung bezeichnet, an deren Grund sich der Wasseraustritt befindet. Bei größerer Wassertiefe zeigt sich eine blaue oder grüne Färbung des Wassers. Grund dafür ist die Sättigung des Wassers mit gelöstem Kalk.

Quelle: www.die-brenz.de

Mystik und Wahres ranken sich um den Blautopf in Blaubeuren

Die Legende der Nixe ist fiktiv, doch es gibt auch wahre Geschichten um den Blautopf, die kaum zu glauben sind. Darüber wußte Peter Schmid, der ehrenamtliche Archivar in Blaubeuren, der Schreiberin untenstehenden Berichts zu erzählen.

Allerdings spielt Schmid mit dieser Feststellung auf die Legende der Schönen Lau an, die laut Eduard Mörikes Erzählung Das Stuttgarter Hutzelmännlein vom Schwarzen Meer kommt.

 

Die Geschichte geht so: Die Lau war mit einem mächtigen Donaunix verheiratet, sie lebten an der Mündung der Donau zum Schwarzen Meer. Lau war sehr schön, der Gatte sehr alt. Was nicht ohne Folgen blieb: Sie litt an Depressionen und konnte nur tote Kinder gebären. Das ging dem Nix auf den Geist, erzählt der 74-jährige Schmid. Er verbannte sie in den hintersten Winkel seines Wasserreiches, das andere Ende der Donau – den Blautopf in Blaubeuren.

 

Dort wohnte sie am Grund der 21 Meter tiefen Karstquelle und trug offenbar alles dazu bei, dem Vorurteil Vorschub zu leisten, dass schöne Frauen gerne launisch sind. Die Dame konnte demnach Szenen vom Feinsten inszenieren: War sie sauer, gab sie sich mit nichts weniger zufrieden, als den Blautopf überlaufen zu lassen. Nur Mönche, die irgendwelche heiligen Becher in das Gewässer warfen, konnten die überschäumende Wut dämpfen.

 

Dass die schöne Lau gerade auf der Schwäbischen Alb, in Blaubeuren, wieder zu lachen gelernt hat, spricht für sich. Und gegen die Vorstellungen von Vergnügen im 19. Jahrhundert. Wobei die Dorfbewohner Lau ja scheinbar auch unfreiwillig zum Lachen brachten. Beispielsweise habe ein Bub, der auf einem Töpfchen saß und die Luft dermaßen beeinflusste, dass die Leute die Nasen rümpften, die Lau zum Lachen gebracht, schreibt Mörike.  Solche und ähnliche Begebenheiten brachten sie dazu, ihre Depression zu überwinden. Sie konnte wieder zu ihrem alten Nix zurück. Noch heute ist die Nixe am Blautopf zu sehen, aber nur in Form einer steinernen Statue versteht sich. Sie stellt eine nackte Frau, die den Kopf leicht neigt. dar.

 

Dass die blaue Karstquelle den bekannten Lyriker und Erzähler  Eduard Mörike zu der Geschichte verleitet hat, ist verständlich. Das Wasser, von dem Grün des Waldes umgeben, wirkt geheimnisvoll – mystisch, wenn man eine lebhafte Phantasie besitzt.

 

Ebensowenig hielt wohl der einstige Blaubeurer Bürgermeister Gottlieb Keller von dem unfreiwilligen Bad, das er vor vielen, vielen Jahren im Blautopf nahm. Er verewigte sich auf wenig ehrenvolle Weise im Gedächtnis des Ortes und damit auch in den Aufzeichnungen Peter Schmids: 1895 besichtigte Keller die Baustelle an der Sonderbucher Steige. Dabei rutschte er ab und stürzte in den Blautopf. Außer dem Ehrgefühl des Bürgermeisters wurde nichts verletzt, der Zwischenfall blieb ohne Folgen. Außer vielleicht einem leichten Argwohn der Bürger, die von dem Wasser tranken.

 

Die Qualität des Wassers sei aber sowieso unbeständig gewesen, sagt Schmid. Denn: Es kam schon mal vor, dass produzierter Most etwas außerhalb der Legalität entsorgt wurde, wie Schmid es beschreibt. Und die Legalität endete offensichtlich an den Stadtgrenzen – öfters wurde Most, der wohl nicht den Ansprüchen genügte, in  Felsritzen außerhalb des Ortes geschüttet. Was dazu führte, dass der vergorene Saft versickerte und das Wasser im Dorf noch dezent nach Most schmeckte.

 

Großen Aufruhr verursachte auch ein Mann 1911, der auf Zwischenstopp während einer Wallfahrt in Blaubeuren Stopp machte. Andere sahen ihn im Blautopf sitzen, gibt Schmid die Archiveinträge wieder: Vier Meter unter der Wasseroberfläche.  Selbstmord. Auf eine Karte in seinem Zimmer hatte er noch eine Nachricht geschrieben: Abschied von der Welt. Eine Militäreinheit aus Ulm sollte die Leiche aus dem Wasser bergen, was durch eine Esche erschwert wurde, die vorher gestürzt war und quer im Wasser lag. Seile, Ankerhaken, Sprengungen – die Soldaten konnten die Leiche nicht mehr finden, sie war beim ersten Bergungsversuch in die blaue Tiefe entschwebt. Mehrere Monate später schließlich trieb sie nach oben. Wie sich die Blaubeurer damals beim Trinken des Wassers gefühlt haben müssen, bleibt unerfindlich.

Er selbst habe vor Jahren noch zwei Taucher gesehen, die man aus den Tiefen des Blautopfs geborgen habe, erzählt Schmid. Hier haben sie gelegen. Er zeigt auf den Schotterplatz vor dem Infoschild der Quelle. Die beiden Männer seien in den unterirdischen Höhlen in Panik ausgebrochen. Der Sauerstoff in ihren Flaschen hätte gereicht – die Selbstbeherrschung nicht.

 Quelle: Eva Marie Mihai 

Höhlensystem Blautopf - Das Geheimnis der Tropfstein Kathedralen

Das Blautopf-Höhlensystem wurde erst 1967 entdeckt. Der Eingang lag am Grund des Blautopf-Sees in Blaubeuren. Bisher sind knapp über zehn Kilometer Höhlengänge erforscht. Die wahre Größe ist noch unbekannt.

 
Es gibt wenige Orte auf dem Planeten, die zugleich so schön und so schaurig sind wie der Blautopf in Blaubeuren. Glaubt man den zahlreichen Legenden, die man sich bis heute erzählt, ist der Teich bodenlos und das dunkle Verließ einer unglücklichen Nixe.

Das Schwimmen und Tauchen in dem heiligen Gewässer jedenfalls ist seit Menschengedenken streng verboten. Erst in den 1960er-Jahren beginnt man den Blautopf mithilfe moderner Tauchsysteme zu erforschen. Und was man dabei am Grund des Sees entdeckt, scheint die düsteren Legenden über den verwunschenen Ort zu bestätigen.

Ein Tümpel , der es wortwörtlich in sich hat

 

Wenn man den Blautopf das erste Mal mit eigenen Augen sieht, wird einem sofort klar: Er unterscheidet sich von jedem anderen Gewässer in Deutschland. Je nach Sonneneinstrahlung funkelt das Wasser des knapp 40 Meter breiten Tümpels kobaltblau bis türkis.

Ein extrem seltener Effekt, der von kleinen Kalkteilchen im Wasser verursacht wird. Und auch wenn der Blautopf nicht bodenlos ist – als sich 1967 ein Team von Tauchern auf den Grund des Sees sinken lässt, berühren ihre Füße erst nach 23 Metern den schlammigen Boden.

Tief genug also, um das Brandenburger Tor darin zu versenken. Der jahrhundertealte Mythos des Sees jedenfalls scheint mit diesem Tauchgang entzaubert. Doch dann entdecken die Männer im dunklen Zwielicht der Tiefe etwas, das sie zunächst für eine optische Täuschung halten: Am Grund des Sees führt ein Durchgang – so eng, dass sich ein Mensch gerade so hindurchzwängen kann – in einen düsteren Höhlenschacht.

Wohin dieser Gang führt, weiß bis heute niemand. Ein Geheimnis, das die Blautopfhöhlen mithilfe scharfkantiger Felsenkanten, mächtiger Strömungen und metertiefer Wasserstürze verteidigen – nur ein Bruchteil des Höhlensystems konnte bislang kartiert werden.

 

Mann gräbt Eis-Höhle. Ihr Innenraum ist unglaublich

 

Dennoch entdecken Taucher bei ihren Tauchgängen nicht nur Menschenknochen und Tonscherben, von denen niemand erklären kann, wie sie in die Tiefe gelangt sind, sondern auch begehbare Felsendome – bis zu 50 Meter hoch, 200 Meter lang und gespickt mit metergroßen Tropfsteinen.

Insgesamt haben sich die Forscher in fünf Jahrzehnten gerade einmal zehn Kilometer weit in die Höhle vorgekämpft. Die meisten Experten sind sich allerdings sicher: Das ist nur der Eingangsbereich der Blautopfhöhle – und niemand kann vorhersagen, worauf man in der Tiefe noch stoßen wird.

 

Quelle :Tropfsteine in der Blautopfhöhle © Wikimedia / Andreas Kücha, CC BY-SA 3.0 de

Dem Geheimnis des Blautopfs Schritt für Schritt auf der Spur

 
Forscher der Arbeitsgemeinschaft Blautopf untersuchen seit 20 Jahren die Blaubeurer Blautopfhöhle und immer wieder kommt ein Stückchen Neuland hinzu.

Das gehört auch zur Höhlenforschung: festzustellen, dass es da nicht weitergeht. Michael Kühn, einer der Höhlentaucher der Arbeitsgemeinschaft Blautopf, hatte sich akribisch auf einen Tauchgang vorbereitet. Der führte jedoch nicht zu dem erhofften Ziel, weiteres Neuland zu entdecken. Kühn: Erfolg und Misserfolg liegen oft nah beieinander. Kühns Tauchgang war zu sehen in einem Film von Oliver Schöll, den die Forscher bei ihrem Vortrag vor 370 Zuschauern auf der Sommerbühne am Blautopf zeigten.

Kühn tauchte nicht im Quelltopf ab, sondern in einem Syphon innerhalb des Blauhöhlensystems. Um dorthin zu gelangen, musste nach dem Einstieg im trockenen, im Jahr 2010 gebohrten Zugang an der B 28 zunächst ein zweieinhalb Kilometer langer Marsch durch die Höhle bewältigt werden – mit einer insgesamt 70 Kilogramm schweren Ausrüstung. Auch wenn Kühns jüngster Tauchgang nicht weiterführte: Die Forscher, die ihren Vortrag unter das Motto 20 Jahre Arge Blautopf stellten, hatten in zwei Jahrzehnten unglaubliche Erfolge. Wie Werner Gieswein und Projektleiter Andreas Kücha berichteten, war die Blautopfhöhle im Jahr 1997 auf eine Länge von 1300 Metern vermessen – vor allem durch Jochen Hasenmayer. Heute misst das Blauhöhlensystem, an dem die vom Höhlenverein Blaubeuren betreute Vetterhöhle einen Anteil von  2748 Metern hat, 13,5 Kilometer.

Die 21 Mitglieder der Arge Blautopf  kommen nicht mehr wie vor Jahren in Siebenmeilenschritten voran. Die Höhle verästelt sich nach hinten immer mehr, die Gänge werden enger. Seit 2006 versucht Andreas Kücha, den Versturz 3 zu knacken. Ungefähr unter der Ortschaft Wennenden ist die Höhle wohl vor Jahrhunderten eingestürzt, die Forscher suchen einen Weg zwischen den Felsblöcken hindurch – teils unter, vor allem aber über Wasser. Mit Hilfe von Akku-Schlagbohrmaschinen erweitern sie Spalten.

 

Kein Baumarkt in der Nähe

Mit Werkzeug und Material sei’s nicht so einfach da hinten. Es gibt keinen Baumarkt in der Nähe , sagte Werner Gieswein. Der Weg durch Hallen und Gänge und über Seen und Flüsse dauert drei Stunden. Nach der Folterkammer blicken die Forscher jetzt in den Folterhimmel. Künstlicher Rauch zieht ab, ein Indiz dafür, dass es weitergeht.

Wie zu den Anfangszeiten wird auch noch vom Blautopf aus getaucht. Unter Wasser kamen die Höhlentaucher jetzt 200 Meter weiter, und zwar in Richtung der Berghülener Hessenhauhöhle. Ziel ist, eine Verbindung zu finden. Dann hätte die Schwäbische Alb das längste Höhlensystem Deutschlands zu bieten mit mehr als 21 Kilometern.

Die rund 370 Zuschauer sahen Bilder von Tropfsteinen, Wasserfällen, Versteinerungen und von Forschern, die sich im Biwak unter Tage umziehen – bei Feuchtigkeit und nur neun Grad Celsius. Nass und nicht sehr viel wärmer war es während des Vortrags. Höhlenfeeling am Ufer des Blautopfs.

 

Quelle: swp.de  

Blaubeuren / Joachim Striebel 16.08.2017