· 

Vom rauchigen Kultpub bis zum Delfin Fungie. Irland hat viele Seiten.

Von Bayern nach Irland - Reise-Erlebnis mit markanten Highlights

Irische Livemusik, bitteres Guinness , angenehme Unterhaltung

Der Nachteil einer Busfahrt ist, dass man als einzelner Passagier nicht halten kann, wo man will und das besuchen kann, was von persönlichem Interesse ist. Ich konnte gerade noch den Fotoapparat zücken, als wir bei unserer Irland-Rundreise im Oktober 2015 an einem leider verregneten Tag in Galway an der berühmt berüchtigten Saly-Longs-Bar vorbeifuhren.  Galway ist eine Hafenstadt an der Westküste Irlands, die an der Mündung des Flusses Coribb liegt. 

"Wenn Sie Hard Rock mögen, werden Sie Sallys Long lieben. Seit 1988 bringt Sallys Metal und Hard Rock in die Galway Pub-Szene." Mit diesem Slogan zieht es Fans dieser Musikgenres  in die knapp 80.000 Einwohner zählende Stadt. In dieser Kultbar finden sie offensichtlich was sie suchen: Bei guter Musik in einer angenehmen Atmosphäre  die Zeit ihrer Idole Revue passieren  zu lassen. Mich hat schon beim Vorbeifahren das Wandbild beeindruckt, das unten lebende berühmte Musiker und oben im Giebel bereits verstorbene Künstler darstellt.
Selbstverständlich ließen wir es uns nicht entgehen, einige irische Pubs zu besuchen. Das gehört einfach dazu. Wir hätten es bereut, wenn wir es nicht gemacht hätten. Die meisten Einheimischen sind sehr freundlich, wenn Touristen in den gemütlichen kleinen urigen Gaststätten auftauchen. Viele kennen sich untereinander. Entsprechend rege ist auch ihre Unterhaltung. Es erinnerte mich an einen bayerischen Stammtisch, Nur halt irisch und an der Bar oder an kleinen Tischen. Meist spielt auch Livemusik, was natürlich der Geselligkeit zuträglich ist. Auch wenn man nur wenig englisch und kein irisch spricht, hat man immer noch Hände zum deuten Zu später Stunde versteht man eh nix mehr. Zum einen weil die Musik und der Gesang zu laut ist und zum anderen zeigt der konsumierte Alkohol seine Wirkung. Komischerweise klappt die Verständigung immer besser, nach dem Motto "Man muss nichts sagen, um sich zu verstehen". Aber weil leider alles ein Ende hat, tippelten wir, als wir die nötige Bettschwere hatten, vergnügt und leicht angesäuselt in unser Hotelzimmer ganz in der Nähe. Die Konsequenz aus er Leichtigkeit des Seins am Vortag war am nächsten Morgen ein etwas schwerer Kopf, als wir mit dem Bus zum rund um Tralee aufbrachen.

Auf den Spuren der Wikinger zum Bunratty Castle und Folk Park

 

Dieser führte uns zu einem ganz besonders geschichtsträchtigen Platz Irlands. Dort wo schon um das Jahr 970 die Wikinger regen Handel betrieben haben, entstand im 13. Jahrhundert eine normannische Burg im Zentrum des Bunratty am Ratty River, der Namensgeber dieses imposanten Gebäudes war. Sie befindet sich in der Grafschaft Clare zwischen Limerik und Ennis in der Nähe von Shannon Town.

 

Das heutige Schloss ist das letzte seiner Art, das auf dem gleichen Gelände um 1425 erbaut wurde. Während des 16. und 17. Jahrhunderts war es ein wichtiger Stützpunkt der O’Briens Könige und späteren Grafen von Thomond oder Nord Munster. Das Schloss ist im Stil des Großen Grafen mit Möbeln aus dem 15. und 16. Jahrhundert eingerichtet. Das Hauptgebäude hat drei Etagen mit jeweils einem großen Raum oder einer Halle. Die vier Türme sind jeweils sechs Stockwerke hoch. Die Burg kann über eine Zugbrücke zur Hauptwache hin betreten werden.

 

Der angrenzende Bunratty Folk Park zeigt den getreuen Wiederaufbau der Häuser und die irische Umgebung aus dem letzten Jahrhundert. Bauernhäuser, eine Dorfstraße mit Geschäften und das Bunratty Haus mit herrschaftlichen Gärten wurden genauso ausgestattet, wie sie zu ihrer Zeit aussehen. Alle damaligen Zünfte, die Landwirtschaft, Geschäfte, Gastronomie, die Ärzteschaft, einfach alles, was das Leben liebens-und lebenswert macht, waren seinerzeit schon vorhanden und sind überliefert worden, um sie der Nachwelt zu präsentieren.

Das Bunratty Castle umgibt ein ganz besonderes Flair

Ring of Kerry  - in Irland geht's buchstäblich rund

Irland Ring of Kerry
Die irische Gelassenheit drückt sich auch in der Musik aus. Ein Radfahrer parkte kurz sein Fahrrad, um Flöte zu spielen

Herzklopfen und teilweise sogar Schweißausbrüche bescherte mir die Busfahrt rund um den Ring of Kerry, der ungefähr 200 Kilometer um Iveragh führt. Busse und Autos drängeln sich  manchmal regelrecht auf der einspurigen Küstenstraße, die sogar von Radfahrern und Fußgängern frequentiert wird. Kein Wunder, führt sie doch vorbei an malerischer,  irischer Hügellandschaft und fantastischen Atlantikstränden. 

Der Busfahrer wies uns darauf hin, dass es unausgesprochenes Gesetz sei, die Halbinsel nur in eine Richtung zu umfahren. Wer die ziemlich unscheinbare Hinweistafel zu Beginn des Ring of Kerry übersieht, muss gegebenenfalls rückwärts bis zur nächsten Einbuchtung fahren, was ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen mag, zumal die Straße meist steil bergab fällt. Man muss dazu sagen, dass inzwischen Teilstücke halbwegs ausgebaut wurden oder werden. Unser Busfahrer hatte die Ruhe weg, im Gegensatz zu mir. Ich schloss einfach die Augen und wartete, bis es wieder weiter ging, nachdem wieder einmal ein derartiges Gegenverkehrsmanöver erfolgreich abgeschlossen war. Einmal hielten wir sogar an einem Imbisswagen an. Zwangsweise mussten auch die nachfolgenden Fahrzeuge anhalten, während wir unseren erstandenen Kuchen schnabulierten und den Flötenweisen eines Radfahrers lauschten, der hier ebenfalls inne hielt. 

 Weiter ging es vorbei an Drehorten weltberühmter Filme, wie beispielsweise "Ryans Tochter" und einigen mehr. Man kann sagen, dass an jeder Biegung eine Überraschung der besonderen Art auf uns wartete.

Die irischen Hütehunde, Schafe und Schäfer sind ein eingespieltes Team

Wer schon einmal einen jungen Hund erzogen und ihm die wichtigsten Befehle wie zum Beispiel "Sitz" und "Platz" beigebracht hat, der weiß, dass dies kein leichtes Unterfangen ist. Man braucht viel Geduld und Einfühlungsvermögen, damit der Hund nicht sein Frauchen oder Herrchen entsprechend seinem Willen erzieht. Viele kapitulieren vor dem treuherzigen Hundeblick, der es einem schwer macht, streng zu sein.

Ein Paradebeispiel davon, dass Hundeerziehung auch gelingen kann, lieferten die Border Collies beim "Sheepdog Trial" auf einem Bauernhof den perfekten Beweis. 

Unsere Reisegruppe machte bei der besagten Rundreise einen Abstecher dorthin. Dabei bot sich erfreulicherweise die Gelegenheit, diese faszinierende Hunderasse bei ihrer Arbeit mit den Schafen zu beobachten, die uns mit ihrer Leistungsbereitschaft, ihrer Ausdauer und ihrer Schnelligkeit begeisterten. Das ist aber nicht zuletzt dem Schäfer zuzuschreiben, der es vorbildlich verstand, sie perfekt zu dirigieren, selbst als sie im Gebüsch, dem Farn-und Heidekraut nicht mehr zu sehen waren. Er sieht dann quasi nur am Richtungswechsel der Schafe, ob die Hunde gehorchen. Das erfordert neben dem absoluten Gespür für die Tiere, mit denen er arbeitet, auch Talent, eine gute Ausbildung und die nötige Erfahrung.  

 

Das Zusammenspiel kann aber nur gelingen, wenn auch die Hundehüte, die um ein vielfaches besser hören als der Mensch,  auf weite Distanzen selbständig arbeiten können. Andererseits müssen sie kooperativ sein und sich gehorsam von den Pfiffen ihres Schäfers leiten lassen, falls sie im meist buckligen Gelände Schafe übersehen haben.  

 

Hilfreich ist dabei der genetisch bedingte, exzellente Spürsinn der Border Collies, nämlich zu erahnen, was die Schafe als nächstes tun werden, um sich ihnen am richtigen Punkt entgegen zu stellen. Damit kann er Ausbruchsversuche seiner Schützlinge im Keim ersticken. Diese Vorgehensweise erschreckt die Schafe nicht unnötig und ist außerdem kräftesparend. 

Diese Vorführung von Schäfer, Hunden und Schafen beeindruckte uns sehr. Alle haben ihren Job hervorragend gemeistert und verdienten sich unseren vollen Respekt.

Dingle Peninsula ist die minder schöne Schwester von Ring of Kerry

Angekommen in der Halbinsel Dingle in der westirischen Grafschaft Kerry endete für uns der "Wild Atlantik Way". Nach der Ankunft sahen wir uns zunächst in der gleichnamigen Hafenstadt um. Leider fehlte uns, obwohl die Gegend bekannt ist für seine faszinierende Landschaft mit Wanderwegen und Sandstränden, die erforderliche Zeit.  Aber für ein wenig Schlendern in der 1800-Einwohner zählenden "Geschäftsstraße" reichte es allemal.  Ein besonderes Augenmerk widmeten wir der Statue des Delfins Fungie, der seit 1983 ein häufiger Gast im Hafen ist und eigentlich schon als ansässig bezeichnet werden kann. Die Touristen, besonders die Kinder, sind ganz wild darauf, ihn zu Gesicht zu bekommen. 

Alle wollen sie die Aufmerksamkeit dieses "wilden" Tieres erregen, das kein Futter nimmt und springt wann er will, so hieß es im Juni 2006 im Spiegel Online. "Big Fish" nennen die Einheimischen den Delfin liebevoll. Und wenn die Touristen tadelnd korrigieren, kein Fisch, ein Säugetier sei der Delfin, grinsen sie und sagen: "Ach, wirklich?"

 

Dingle, eine kleine Stadt an der Westküste Irlands, umgeben von grünem, gewelltem, baumlosem Land, liegt auf jener Halbinsel, die wie ein Finger in den Atlantik ragt. Weiter westlich kann man in Europa nicht kommen. Auch mehr Idylle geht nicht: bunte Häuser in der Bucht, steinerne Kirche auf dem Hügel, Fischernetze an der Mole, Leuchtturm auf der Klippe und am Hafen ein bronzener Delfin, der aussieht, als würde er lauthals lachen. Ein freundlicher Delfin, ganz wie das Original.

 

Fungie sei 400 Kilogramm schwer und fast vier Meter lang, heißt es weiter. Er ist einer jener solitären Delfine, die sich aus dem Verband ihrer Artgenossen lösten und dem Menschen zugetan sind. Über 100 solcher Tiere habe man in den letzten 50 Jahren auf der ganzen Welt gezählt. Zwar gäbe es viele Säugetiere, die für kurz oder lang ihre Gruppe verlassen. Wenn aber der neugierige, allein lebende Delfin sein soziales Verhalten auf Menschen ausrichtet und der delfinbegeisterte Mensch sich auf das Tier fixiert, lassen sich am Ende Geschichten erzählen wie die von Dingle und Fungie. Geschichten, in denen der Delfin das ist, was der Mensch aus ihm macht.

 

Nachdem wir alles für uns Sehenswerte erkundet hatten,  forderte allmählich Hunger und Durst seinen Tribut. Bevor wir uns wieder zur vereinbarten Zeit am Sammelpunkt einfinden mussten, um die Rückreise anzutreten, wollten wir unbedingt "Fish and Chips" probiert haben, das wie in Großbritannien und Amerika auch in Irland ein angesagtes Gericht ist. Dieses haben wir uns  im "John Bennys Pub" an der Küstenstraße einverleibt. Gestärkt mit Speis und Trank und mit vielen schönen Eindrücken im Gedächtnis und Bildern im Fotoapparat bereichert, kehrten wir in unser Hotel zurück.