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Gut behütet durch heiße und kalte Zeiten. Heute ist Tag des Hutes

Dem Hut ist zu Recht ein nationaler Ehrentag gewidmet

Die jungen Leute von heute setzen Hüte gerne aus Spaß auf
Die jungen Leute von heute setzen Hüte gerne aus Spaß auf
Heute ist Nationaler Hut-Tag. Allerdings in Amerika. In Deutschland steht er am 25. November auf dem Kalender. Aber das ist ja heutzutage in der globalen, digitalisierten Welt wurscht, wie wir Bayern sagen. Hüte werden vielerorts getragen, aus welchem Grund auch immer.
Ein Hut ist nicht nur eine Kopfbedeckung, sondern ist bis heute für viele Menschen ein schmückendes Accessoire, ja sogar ein Statussymbol. Darüber hinaus hat ein Hut noch einige andere positive Eigenschaften; er schützt den Kopf bei Hitze vor Sonnenstich und Sonnenbrand und bei Kälte verhindert er, dass die Körperwärme nicht über den Kopf entweicht. 

 

Das Wort Hut stammt vom mittelhochdeutschen Huot ab und bedeutete ursprünglich Decke oder Schutz (im Sinne von Obhut), wurde dann aber spezieller in der Bedeutung Kopfbedeckung verwendet. 

In Deutschland werden Hüte seit dem 10. Jahrhundert getragen und seit ungefähr 1360 gibt es in Deutschland den Beruf Hutmacher. Die Form des Hutes entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg ständig weiter, sodass Hüte heute vielerlei verschiedene Erscheinungsformen haben und zur aktuellen Mode passen. 

Die Geschichte des Hutes lässt auf vieles schließen

Hut
In Zeiten meiner Eltern und Großeltern war der Hut bei feierlichen Anlässen ein Muss

 

Die Geschichte des Hutes als Kopfbedeckung ist lang und lässt sich bis zu den alten Griechen und den Römern zurück verfolgen. Bei den Griechen waren es in erster Linie die Handwerker, die Hut trugen. Bei den Römern waren es zunächst die Sklaven, die man in die Freiheit entlassen hatte.

Da der Hut in Rom symbolisch für die Freiheit stand, bekam jeder Sklave nach dem Ende seiner Gefangenschaft einen solchen zur Mitnahme auf seinen zukünftigen Weg ausgehändigt.

 

Erst nach dem Tode von Kaiser Nero wurde der Hut in Rom auch bei der übrigen männlichen Bevölkerung gesellschaftsfähig. Frauenhüte waren dagegen in der Antike vollkommen unbekannt. Die weibliche Haarpracht wurde lediglich mit Spangen, Reifen oder Tüchern gebändigt.

In Deutschland lassen sich, wie erwähnt, die ersten Hutspuren bis in das zehnte Jahrhundert zurück verfolgen. Die Sachsen trugen zu dieser Zeit bereits bei der Feldarbeit die noch heute bekannten Strohhüte. Gesellschaftsfähig wurden Hüte jedoch erst im 12. und 13. Jahrhundert und galten schließlich bei der männlichen Bevölkerung als Standeszeichen.

 

Quelle: www.fashionszene.com

 

Wie schon genannt, war in Deutschland um 1360 von Hutmacherhandwerk die Rede und zwar in Nürnberg. Damals galten Pfauenfederhüte und mit Biberhaar belegte Filzhüte als besonders wertvoll, genauso wie Barrets aus Seide. Hingegen waren Barrets aus Stoff und Wolle als auch Strohhüte ein Zeichen für die Menschen einfacher Herkunft. Frauen begannen auch in Deutschland erst ab dem 14. Jahrhundert mit dem Tragen von eigenen Hüten. Besonders Hennin, ein zuckerhutförmiger, mit Schleiern behängter Hut von bis zu einem Meter Höhe war zu jener Zeit deutliches Erkennungsmerkmal für eine reiche Bürgerin oder sogar Adelige. Bis ins 16. Jahrhundert hinein dominierten solche kugelförmigen Hüte mit zusätzlicher breiter Krempe auch die Männerhutmode. Der spätere Zylinder könnte diesen Hutformen entspringen.

De mitm Huad san guad und de mitm Kappe san dappe

Auch in Bayern gibt es bis heute Hüte verschiedenster Formen und Farben.
Die traditionellen Hüte in Bayern basieren meist auf der Hutform der Melone.
Hergestellt wird der traditionelle Bayern Hut aus Hasenhaar, Filz oder Wolle und nur durch langes Bürsten bekommt der traditionelle Hut aus Bayern auch die typische Velours-Oberfläche.
In den meisten Gebieten Bayerns werden Gamsbärte als Zeichen der Tapferkeit an den Hüten der männlichen Träger befestigt.

Der traditionelle Bayer trägt seinen Hut bei jedem Anlass. Er nimmt diesen nur beim Essen und beim Betreten von Kirchen sowie bei Feierlichkeiten ab.

Natürlich werden auch abgewandelte Hutformen für Volksfeste und speziell für das Oktoberfest in München hergestellt.
Hier kennen die Designer der Kopfbedeckungen keine Grenzen in Bezug auf Farbe und Form. Erlaubt ist, was gefällt. Findet aber nicht immer und bei jedem Gefallen. Besonders nicht bei denen, die bayerisches Brauchtum und Tradition hoch halten und dies den nächsten Generationen weiter vermitteln wollen.
Diese bayerischen sogenannten Sepplhüte haben natürlich nur noch sehr wenig mit dem traditionellen Hut aus Bayern zu tun. Genauso ist es mit den Dirndl-Kleidern. Das beste Beispiel ist das Oktoberfest in München, das inzwischen zum Jahrmarkt der Eitelkeiten avanciert ist. Da sieht man zunehmend die kuriosesten, aber auch billigsten Varianten, die man sich nur vorstellen kann, die nach dem Motto Hauptsache auffallen auf dem Laufsteg der Abstrusität präsentiert werden. Krachert und Ausgschamt sagen wir in Bayern dazu, wenn manche Mädels oder Frauen zu offenherzig sind. Aber warum nicht, die Männer sehen das sicher mit ganz anderen Augen. Die Geschmäcker sind eben verschieden, besonders wenn es um Kleidung geht. Kleider machen Leute lautet ein Sprichwort und wer was wieviel zu welchem Anlass trägt, ist jeder und jedem selbst überlassen. Auch Männer langen oft daneben, wenn es um Kleidergeschmack geht. Aber ich persönlich finde es super, wenn junge Leute sich wieder auf ihre Herkunft besinnen oder mit ihrer Kleidung demonstrieren , dass sie die bayerische Lebensart mögen. Es ist total schön, sie in Dirndlkleidern und Lederhosen ausgelassen und fröhlich feiern zu sehen. Da denkt man doch gerne wieder an die eigene Jugendzeit zurück. 

Übrigens: Übersetzt heißt der in der Überschrift erwähnte Satz: De mitm Huad san guad und de mitm Kappe san dappe so: Die mit dem Hut sind gut und die mit einer Kappe sind geistig nicht ganz in der Höhe. Ist aber nur als Spaß gemeint, versteht sich.

Warum behalten die Trachtler im Wirtshaus den Hut auf?

 

Um diese Frage zu beantworten, ist es notwendig, sich in Zeiten zurückzuversetzen, als es noch Kleiderordnungen gab. Damals schrieb die Obrigkeit vor, wer welche Art von Kleidung tragen darf oder muss. Insbesondere wer ganz besondere Kleidungsstücke nicht tragen darf. Es gab große Standesunterschiede. Adel, Klerus, Bürgerschaft, gemeines Volk und Unfreie erkannte man schon am Gewand und beurteilte dementsprechend, welche Art Mensch der oder die Träger bestimmter Kleidung zuzuordnen waren. Dazu gehörte selbstverständlich auch die Kopfbedeckung.

 

Der freie Mann durfte einen Hut tragen. Je größer, desto mehr Macht wurde damit dargestellt,  zum Beispiel bei kirchlichen Würdenträgern oder Militär und dergleichen.

 

So musste der unfreie Mann sein Haupt bar tragen oder seine Mütze oder Kappe immer ziehen, sobald der jemanden Höhergestellten gegenüber trat. Verurteilten oder Ausgestoßenen wurden sogar die Haare geschoren. Daher kommt auch der bayerische Ausdruck so a gscherter, welcher oftmals gegenüber Mitbürger angewandt wird, die sich daneben benehmen.

Der Hut war also seinerzeit das Zeichen des freien Mannes. Diese Tradition pflegen die bayrischen Trachtler, aber auch andere Männer heute noch. Sie behalten den Hut auf, außer beim Essen als Zeichen der Ehrfurcht vor der Speise oder in der Kirche und beim Beten, aus Ehrfurcht vor Gott. Genauso am Grab, aus Ehrfurcht vor dem Tod. 

Nicht alle Menschen haben ein optimales Hutgesicht

In Deutschland und somit auch in Bayern ist der Tag des Hutes, wie ich eingangs bereits feststellte, am 25. November. Der ist zugleich auch der Tag der Heiligen Katharina. Meine Mama hieß Katharina und zufällig trug sie bei bestimmten Gelegenheiten Hüte. Der Ehrlichkeit halber muss ich jedoch zugeben, hatte sie in ihrem ganzen Leben nur einen, höchstens zwei besaß und die setzte sie nur zu besonderen Anlässen auf. Zum Beispiel beim Kirchgang und kirchlichen Hochfesten, bei Hochzeiten und Beerdigungen zum Beispiel war der Ditschi , wie sie ihn nannte, ein Muss, obwohl sie darüber schimpfte, weil er sie nicht so kleidete, wie sie es gerne gehabt hätte. I hob koa Huadgsicht hat sie immer gesagt. (Ich habe kein Hutgesicht)

Aber weil es Tradition war und auch ihre Mutter und Tanten immer bei besonderen Ereignissen Hüte getragen haben, war es egal, ob die Kopfbedeckung dazu passt oder nicht. Des is hoid so, aus ipfe Amen. Ich habe zwar diese Gepflogenheit nicht übernommen, aber ab und zu hat es sich einfach ergeben. Dann wollte ich auch kein Spaßverderber sein, obwohl ich damit sch..recklich aussah.