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Sprache von Schulanfängern wird eintöniger, Auffälligkeiten nehmen zu

Der Wortschatz von Kindern sinkt. Es fehlt an Flexibilität.

Schule Halfing
Große Schultüten und gemischte Gefühle - die Schulanfänger starten ihren Bildungsweg

"Wir beobachten seit mehreren Jahren, dass die Sprachgewandtheit der Kinder abnimmt" bedauerte Simone Fleischmann, die Präsidentin des Lehrer-und Lehrerinnenverbandes (BLLV) wenige Tage vor dem Start des neuen Schuljahres. Der Dingolfinger-Anzeiger berichtete in seiner gestrigen Ausgabe darüber, dass der Sprachschatz von Kindern abnimmt. Das habe Auswirkungen auf das neue Schuljahr, das am kommenden Dienstag, den 11. September beginnt.

Mehr Lehrkräfte, um der Heterogenität der Schulanfänger entgegen zu wirken

Die Gründe dafür, dass die Sprachgewandtheit der Kinder nicht mehr so vorhanden ist, wie man sie aus der Vergangenheit kennt, sieht die erfahrene Pädagogin Fleischmann darin, dass die neuen Medien immer mehr mit Abkürzungen sowie mit simplen Wortschatz arbeiten und in den Familien immer weniger verbal miteinander kommuniziert wird. Auch würde in den Kindergärten und Kinderkrippen nicht genügend auf Singen und Reimen geachtet. Früher konnten Lehrkräfte auf viel mehr Reime, Singspiele, Rhythmik und Lieder aufbauen. Es herrsche diesbezüglich teilweise beträchtlicher Nachholbedarf, so Fleischmann. Deshalb reiche ein/e Lehrer/in in den Grundschulklassen nicht mehr aus. Es bedürfe zweier Lehrkräfte, um der Heterogenität der Schulanfänger gerecht zu werden. Neben der Sprachgewandtheit nähme auch deren Sprechfähigkeit ab. Die BLLV-Präsidentin bemängelt, dass Kinder/Laut-, Wort- und Satzbildungsstörungen haben.

Sprachauffälligkeiten nehmen zu, Kinder mit Migrationshintergrund werden mehr

Laut Bayerischem Gesundheitsministerium hatte im Schuljahr 2014/2015 etwa jedes vierte Vorschulkind eine Sprachauffälligkeit. Zehn Jahre zuvor war es nur jedes fünfte. So wird die Schuleignungsuntersuchung verpflichtend bei allen Kindern im Jahr vor der Aufnahme in die erste Klasse durchgeführt. Vom kommenden Jahr an wird diese sogar jeweils früher stattfinden "Das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen beruht auf Entwicklungsprozessen, die weit vor dem Schuleintritt beginnen und sowohl im familiären Umfeld, als auch durch Spezialisten gefördert werden können. Das optimale Förderalter liegt nach heutigen Erkenntnissen zwischen vier und fünf Jahren" so begründet Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) die vorverlegte Schuleingangsuntersuchung, die künftig drei Teile umfassen wird: Ein standardisiertes Entwicklungs-Screening vom Gesundheitsamt, eine schulärztliche Untersuchung und gegebenenfalls Beratung über geeignete Förder-und Therapiemaßnahmen sowie eine weitere schulärztliche Untersuchung im Jahr vor der Einschulung.