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Die Welt ist ein Buch. Wer nicht reist, liest nur eine Seite

Heimat ist schön, Reisen und Ausflüge sind es auch.

Komm ein bisschen mit nach Italien - Die Anfänge des Urlaub machens

Ich bin noch von der Generation, die in der Jugend noch sehr wenig den Heimatort verlassen hatte. Ich habe 1968 geheiratet und mein Mann und ich hatten gut damit zu tun, das elterliche landwirtschaftliche Anwesen zu einem schmucken Heim für unsere Familie, die bis 1980 auf fünf Mitglieder angewachsen war, auszubauen. Dennoch sind wir allmählich - dem allgemeinen Trend entsprechend, jedoch im Rahmen unserer zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten versteht sich - unserer Reiselust nachgekommen. Wir haben unsere Hochzeitsreise nach Venedig gemacht, wir sind quer durch Frankreich gefahren und wir haben einige Male schöne Plätzchen in Österreich, Südtirol, Italien, Spanien, Slowenien und noch mehr besucht, um ein paar Tage Urlaub zu machen. Tagesfahrten standen des Öfteren auf dem Programm, sei es mit den Kindern oder mit Vereinen. Auch mit meinem neuen Partner bin ich auf den Geschmack des Reisens gekommen. Beide verspüren wir den Wunsch, so lange es möglich ist, einen Bruchteil der schönen Fleckchen dieser Erde anzusehen. Man kann sagen, dass bei der Nachkriegsware der Drang nach Unbekümmertheit, Freizeit und Verreisen zunehmend stärker wurde. Man wurde mit der Zeit aufgeschlossener und gierte förmlich nach Ablenkungen und Neuem. Im Gegensatz zu unseren Eltern, für die Urlaub ein Fremdwort war. Die meiner beiden Ehemänner waren meines Wissens nie weg von Zuhause. Von meinen Eltern weiß ich, dass sie einmal mit der Wendelsteinbahn hoch hinaus wollten und dies sogar umsetzten. Das war so kurz nach den schrecklichen Kriegszeiten keine Selbstverständlichkeit, denn noch lange danach hatte man mit Lebensmittelknappheit und Wohnungsmangel zu kämpfen. Auch hatten viele Frauen ihre Männer im Krieg verloren oder warteten in quälender Ungewissheit auf ihre Rückkehr. Leider oft vergebens.

Nichts wie weg - Über den Brenner und ab in den Süden

Von Pauschalreisen war man in den 1950er-Jahren noch weit entfernt, von Flugtourismus sowieso. Die erste Flugreise war erst 1955 durch die Deutsche Fluggesellschaft Lufthansa möglich. Schwer erschwinglich für Otto-Normalverbraucher. Nur wohlhabende Bürger konnten sich dieses Abenteuer leisten. Die normale deutsche Bevölkerung reiste überwiegend mit dem Motorrad, dem Motorroller oder mit dem Auto. Österreich und Italien waren beliebte Reiseziele. Doch bevor man südliche Gefilde erreichte, musste man den Grenzübergang am 1374 Meter hohen Brennerpass überwinden. Die grandiose Bergkulisse entschädigte für jeden Aussetzer, den sich manch motorisierter Untersatz ob der enormen Anstrengungen leistete. Bella Italia wurde schnell zum Sehnsuchtsort, was sich in vielen Schlagern ausdrückte, wie zum Beispiel von Peter Alexander, der mit Komm ein bisschen mit nach Italien gesanglich zum Mitfahren einlud. Das mediterrane Lebensgefühl, das man Dolce Vita nennt, imponierte den etwas weniger temperamentvollen Deutschen. Nicht selten wurde mit Urlaubsbekanntschaften angebandelt. Da diese Liebeleien nicht alltagstauglich waren, verflüchtigte sich dieses Verhältnis bald wieder. Bei den meisten zumindest, aber nicht immer.

Deutschland ist eine gute Option, den Urlaub entspannt zu verbringen

Nachdem in meiner Kinderzeit noch sehr wenige Leute Luxusgüter wie ein Auto, einen Fernseher oder Waschmaschine hatten, war es in meiner Jugendzeit schon ganz anders. Es war in jeder Familie zumindest jeweils eine dieser neuen Errungenschaften vorhanden. Die Zahl der angemeldeten Personenkraftwagen betrug in Deutschland im Jahr 1969 immerhin 11,7 Millionen. Gleichzeitig wuchs die Bedeutung touristischer Flugreisen in etwa mit. Der technische Fortschritt nahm rasant Fahrt auf. Palma de Mallorca wurde zum wichtigsten Ankunftsflughafen deutscher Pauschalreisender. In den 70er Jahren reisten mehr Bürger ins Ausland, als an deutsche Urlaubsorte. Inzwischen ist Deutschland bei deutschen Urlaubern wieder sehr beliebt. Die weltweiten Unruhen und Unsicherheiten tragen dazu bei. Auch die lange Fahrt, der Stress auf Straßen und Autobahnen oder die Streiks und Verspätungen der Bahn und der Fluggesellschaften tragen dazu bei, dass man das eigene Land mehr zu schätzen weiß, nach dem Motto: Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah!  Manche gehen sogar soweit, dass sie ihren Urlaub auf Balkonien verbringen. Wie auch immer:

 

Ich wünsche allen großen und kleinen Reisenden einen schönen, entspannten und erholsamen Urlaub!