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Mandrogi war früher armes Fischerdorf, heute Museumsdorf

Von Bayern nach Russland - Reise-Erlebnis mit markanten Highlights

Mandrogi - Viele Künstler hauchten dem verbrannten Dorf Leben ein

"Fahrt auf dem karelischen Fluss Swir und dem Ladogasee. Freizeit in Mandrogy" so war das Ausflugsziel von Nicko-Tours unserer Russland-Kreuzfahrt für den Mittwoch, den 1. Oktober 2014 kurz beschrieben. Ich kann mich zwar nicht mehr an die Eindrücke auf dem Wasser erinnern. Aber dazu habe ich ja die Fotos, die vieles wieder ins Gedächtnis zurückholen. Die schönen Bilder vom Landgang in Mandrogi habe ich jedoch auch nach vier Jahren noch genau vor Augen, ebenso wie ich sie digital abgespeichert habe.

Mandrogi -Nach dem 2.Weltkrieg ein Frauen-beziehungsweise Witwendorf

Einst war Mandrogi - das 270 Kilometer nordwestlich von St.Petersburg und 610 Kilometer nördlich von Moskau liegt - ein kleines Fischerdorf am Fluß Swir in der Region Leningrad. Nach dem 2. Weltkrieg verblieben nur noch Frauen, die Männer waren gefallen. Das Dorf verarmte und fiel schließlich einem Brand zum Opfer. Anfang 1990 kaufte ein zu Reichtum gekommener Russe das Gebiet auf. Er lud die besten Zimmerleute ein, die ihre Bau-und Handwerkskunst unter Beweis stellten. So entstand ein Museumsdorf und ein Erholungspark. Neben vielen Künstlern, die heute dort wohnen und arbeiten, bringen die Kreuzfahrtschiffe jede Menge Touristen nach Mandrogi.  Sie können bei einem Spaziergang die wunderschöne Natur und die traditionellen Bauten in Augenschein nehmen. Die verzierten, bunten Holzhäuser bringen den Besuchern das außerordentliche handwerkliche Geschick näher, die dort an die nächsten Generationen vermittelt wird. Natürlich macht man sich in im Museumsdorf Mandrogi das Touristen-Interesse zunutze, genauso wie bei uns im Bayerischen Wald, am Chiemsee und an sonstigen attraktiven Lagen. Man kann bei einem von A - Z durchorganisierten und geplanten Ausflug, der beim Anlegen der Kreuzfahrtschiffe immer gleich abläuft, nicht erwarten, dass man groß aus der Reihe tanzen kann. So wurden wir wie eine Herde Schafe in ein ,,Versorgungszelt" getrieben, um das touristische Rahmenprogramm mit Folklore, Schaschlik und Wodka abzuspulen.

Putin in Mandrogi - Auch ein Staatsmann braucht ein Rückzugsgebiet

Es fehlen mir die Möglichkeiten, um nachzuprüfen,  wieviel Wahrheitsgehalt in den Geschichten über das russische Staatsoberhaupt Wladimir Putin steckt, die uns der Guide bei unserer Exkursion in Mandrogi erzählt hat. So soll der Präsident in Mandrogi ein Ferienhaus mit eigenem Bootssteg besitzen, um dort von seinen anstrengenden politischen Staatsgeschäften auszuspannen, zur Ruhe zu kommen und neue Energie zu tanken. Wann und wie oft, das habe ich entweder überhört oder es ist geheim. Wahrscheinlich letzteres. Ob er sich allerdings bei dem Touristenansturm unerkannt erholen könnte, bleibt dahin gestellt. Er wird genügend "Ausweichmöglichkeiten" haben, um inkognito  seine Privatsphäre zu pflegen. Das Gerücht wird jedoch schon deswegen aufrecht erhalten werden, um Touristen anzulocken. Dafür ist auch die Story, dass Putin in Mandrogi eigenhändig eine Matroschka gebastelt haben soll, mehr als geeignet. Wladimir ist sozusagen das beste Zugpferd für das Museumsgelände, selbst wenn er nie einen Fuß auf Mandrogi gesetzt hätte.

Ferienhaus mit eigenem Bootssteg von Staatspräsident Wladimir Putin

Matroschka - die hölzerne Schachtelpuppe ist beliebtes Souvenir

Handwerkskunst verschiedener Art findet man überall in Mandrogi

Sie heißt Matroschka, auf russisch Matrjoschka, bekannt auch als Babuschka. Die Rede ist von der berühmten russischen Schachtelpuppe, von denen die allermeisten auch heute noch handgemacht werden. Die Auswahl des Holzes spielt eine wichtige Rolle bei deren Anfertigung. Am besten eignet sich Linden-oder Birkenholz. Zuerst wird die kleinste Puppe geschnitzt, die winziger als ein Fingernagel sein kann. Die nächsten werden immer der vorherigen angepasst. bis der gesamte Satz fertig.ist. Danach kommt die Holzpuppe zu einem Maler/in, der oder die ihr den speziellen Charakter und ihr Aussehen verleiht. Große tiefschwarze Augen, rote Apfelbäckchen, ein süßes Lächeln, gekleidet in russischer Tracht, Blümchen in den Händen, einem Korb voller Früchte oder Brot unterm Arm - so kennt man die traditionelle Matroschka, die typisch russisches Bauernmädchen darstellt.

Dennoch ist die Wahl ihres Namens nicht zufällig. Früher war Matrjona in Russland ein sehr beliebter und gebräuchlicher Frauenname. In der Wurzel dieses Namens steckt nicht von ungefähr das lateinische Wort ,,mater" - also "Mutter", was eigentlich ihrem Aussehen sehr gut entspricht.

 

Wann und wo der Ursprung der Matroschka liegt, ist nicht klar zu bestimmen. Sie soll sich regelrecht Ende des 19. Jahrhunderts aus einer Mischung aus bemalten Eiern und der Figur eines japanischen Gelehrten als solche ,,entpuppt" haben.

 

Meistens bestehen Matroschkas aus fünf bis sieben Puppen. Es gibt aber auch welche, die 15 und mehr intus haben. Als die "kinderreichste" gilt eine im Jahr 1970 in der russischen Stadt Semjonow produziert wurde. Sie war einen Meter hoch und bestand aus 72 Teilen.

 

Im Touristendorf Mandrogi  kann man den Künstlern zusehen, wie eine Matroschka entsteht. Auch kann man im Rahmen eines Workshops selbst Hand anlegen und die Puppen bemalen.

Mandrogi wurde als Museum im tradionellen russischem Stil nachgebaut