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Bei Schmuddelwetter in russisches U-Boot abgetaucht

Von Bayern nach Russland - Reise-Erlebnis mit markanten Highlights

In Wytegra erkundeten wir ein ausgedientes Foxtrot-Unterseeboot

Russland
Am Zufluss des Omegasees in Wologda kann man ein sowjetsches U-Boot der Foxtrot-Klasse besichtigen

Am Dienstag den 30. September 2014 wäre eigentlich eine Kreuzfahrt auf dem Onegasee unseres Russland-Reiseprogramms gestanden. Doch Petrus hatte uns dieses Vorhaben gründlich vermiest, indem er uns Schmuddelwetter übelster Art bescherte. Unser Reiseleiter musste also kurzfristig umdisponieren. Er hatte auch gleich ein geeignetes Ziel ausgemacht, denn schließlich will man ja als "Kreuzfahrer" möglichst viel sehen, von dem was das Reiseland zu bieten hat. So begab sich die Reisegruppe in Wytegra (Nordwestrussland, Oblast Wologda) auf ein sowjetisches, dieselelektrisches U-Boot der Projektreihe 641, die von der NATO als "Foxtrot"-Klasse bezeichnet wird. Nicht zuletzt aufgrund der besonderen Zuverlässigkeit und Beweglichkeit der Klasse wurde diese zu einem Exportschlager und in zahlreichen Staaten außerhalb der Sowjetunion betrieben.

19 Jahre diente das sowjetische U-Boot der nördlichen Flotte.

Als wir uns in den Rumpf der B-440 begaben, dachte ich unweigerlich an den Film "Das Boot" mit Jürgen Prochnow, der die Kriegszeit um das Jahr 1941 versinnbildlichte. Das in der Leningrader Werft am 16. September 1970 vom Stapel gelassenene U-Boot hatte jedoch größere Ausmaße als jedes Deutsche. Es weist eine Länge von 91,30 Meter, eine Breite von 8,5 Meter und 5 Meter Tiefgang auf. Seinem Namen ,,Foxtrot" macht es alle Ehre, denn mit 16,8 Knoten Geschwindigkeit war es ganz schön flott unterwegs. Seit 1999 befindet sich das U-Boot allerdings im Ruhestand, beziehungsweise wurde es ausser Dienst gestellt. Dennoch leistet es als Museum eine wertvolle, weil informative Aufgabe.  Man kann live erleben und sich  dementsprechend hineinversetzen, wie sich die Insassen gefühlt haben mögen, als sie die Ost-und Nordsee, ebenso den Atlantik, das Schwarze- und das Mittelmeer durchpflügten. Obwohl es mir für seine Zwecke überraschend geräumig erschien, verspürte ich Beklemmung und Platzangst, wenn ich mir vorstellte, dass ich mich mit diesem "Ding" auf einen Tauchgang  in 240 Meter Tiefe,  ja sogar 400 Meter Tiefe begeben würde. Chapeau - der 80-köpfigen Mannschaft, die unter harten Bedingungen und total unversorgt  90 Tage auf bzw. unter See verblieb.

Tiefgehende Eindrücke hinterließ die Besichtigung des Museums-U-Boot

Mit der MS Tschitscherin zu reisen ist sicher angenehmer als im U-Boot

Russland
Die MS Tschitscherin war für ein paar Tage unser schwimmendes Hotel

Der Tauchgang in das Innere des besagten U-Bootes war zweifelsohne aufschlussreich, interessant, aufregend und besuchenswert. Die vermittelten Eindrücke bewirkten bei mir eine gewisse Dankbarkeit, dass wir in Hinblick derartiger Strapazen, auf eine so angenehme Art und Weise reisen durften. Zurückgekehrt auf der "MS Tschitscherin", auf der 110 Besatzungsmitglieder sich um das Wohl von maximal 280 Passagiere kümmern, betrachtete ich diese Vorzüge mit ganz anderen Augen. Ich schätzte es viel mehr, dass wir in Zeiten leben, in der sich Leute mit kleinen bis mittleren Einkommen eine derartige Schiffsreise leisten können. Gerade im Rentenalter, in der Zeit kein Luxus mehr ist, das nötige Kleingeld zu haben, die Welt zu bereisen, ist nicht hoch genug zu wertschätzen. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass sich die Zahl der Lebensjahre gnadenlos verringert, kann man meines Erachtens alles andere zurückstellen. Wer die Gnade hat, gesund zu sein, sollte reisen, reisen, reisen und so viel wie möglich Gottes schöne Welt erkunden.