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Kirillo-Beloserski-Kloster - Ikonen, Klöppelspitzen und Pantoffel

Von Bayern nach Russland - Reise-Erlebnis mit markanten Highlights

Der russische Mönch Kirill war Namensgeber des Beloserski-Klosters

Am Montag, den 29. September 2014 stand das Kirillo-Beloserski-Klosters am Weißen See auf dem Plan unserer Russland-Reise. Namensgeber ist der Mönch Kirill, der auf dem nahegelegenen Berg Maura gestanden und ein göttliches Zeichen erhalten haben soll, wo er ein Kloster zu bauen hätte. Er folgte dieser und baute zunächst eine hölzerne Kapelle und ein Blockhaus für die Mönche. Doch bald gewann das ,,Auferstehungs-Kloster" durch die familiären Bindungen des Gründers zum russischen Adel, genauso wie durch strategisch wichtige Lage an Reichtum und Ansehen. Es wurde sogar zu einem der bedeutendsten politischen und religiösen Zentren des Russischen Reiches. Das machte es auch für fremde Mächte zum Objekt der Begierde. Doch es hielt den diversen Eroberungsversuchen stand und statt einer Vernichtung erfuhr das Kirill-Kloster nahte dem Dörfchen Gorizy mehr und mehr eine Vergrößerung. Es entstanden diverse Kirchen, Kapellen, ein Gefängnis, ein Wohnbereich und eine Wehrmauer.

Ausflug zum Kirillow-Beloserski-Kloster /Impressionen 1

Das Kirillow-Beleserski-Kloster war einst das Ziel vieler Pilger

Im 18. Jahrhundert erlebte es seine Blüte. 400 Dörfer und über 20.000 Leibeigene gehörten zum Kirillow Beleserki-Kloster, das zahlreiche Pilger ansteuerten. Darunter auch Peter I (Pjotr Alexejetwitsch Romanow) der erste Kaiser des russischen Reiches, der diesem bedeutenden Kloster einen Besuch abstattete. Nachdem er dort Bekanntschaft mit den Baumeistern und vor allem den Ikonenmalern machte, beorderterte er die talentiertesten und besten nach St. Petersburg, um am Ausbau ,,seiner" Stadt mitzuarbeiten.

Ausflug zum Kirillow-Beloserski-Kloster/Impressionen 2

Viele russische Künstler verschrieben sich der Ikonenmalerei

Die Ikonenmalerei entstand in Russland bereits im 2. Jahrhundert. Mal hier und mal dort bildeten sich kleine Zentren mit eigenem Malstil. Eine eigene russische  Maltradition entwickelte sich aber erst ab dem 12. Jahrhundert in Novgorod, dessen Blüte sich bis ins 14. Jahrhundert erstreckte. Diese Ikonen sind bezeichnend für warme NaFarben, klare Konturen und lebhafte Gebärden. Als Moskau im 14. Jahrhundert so nach und nach zum politischen, kulturellen und orthodoxen Zentrum Russlands aufstieg und sich nach dem Untergang Konstantinopels als Nachfolgerin von Byzanz, wurden zunächst einheimische Künstler in die Ikonen-Werkstätten geholt. Später dann aus ganz Russland und dem Balkan. Das hatte zur Folge, dass ein Mischstil aus Allem entstand. Die Malzentren Russland verkümmerten bis ins 17.Jahrhundert zu bedeutungslosen, provinziellen Werkstätten, mit Ausnahme von Jaroslawl, deren Schule noch unter Kiever Tradition entstanden sind und später durch Mokau beeinflusst wurde. Deutlich wird dies, dass die Ikonen durch ihren prachtvollen Stil herausragen.

Allmählich vollzog sich eine Wende in der Ikonenmalerei. Zar Peter I. verfügte über eine offizielle Trennung zwischen westlicher und kirchlicher Malerei. Während man das Malen von Ikonen hauptsächlich den Klöstern übertrug, schickte der Zar viele Künstler nach Europa, um die westliche Kunst zu studierten. Die barocke Malerei nahm Einfluss auf einige bedeutende Ikonenmaler, mit der Konsequenz, dass sogenannte ,,Altgläubigenwerkstätten" eingerichtet wurden, um die Tradition der Novgoroder und Moskauer Schule fortzusetzen.

Die Ikonenwände des Klosters zeugen von russischer Maltradition

Mit der zunehmenden Nachfrage nach Ikonen wurde die Produktion von Ikonen immer arbeitsteiliger. Das ging soweit, bis sie um 1900 wie am Fließband hergestellt wurden. Eben eine sterile Reproduktion von Ikonenmotiven, die rein gar nichts mehr mit der ursprünglichen geistigen Methode zu tun hatten.

Echte Ikonen -wie auf dem Bild im Kirilli-Beloserski-Kloster -sind hingegen ein Tor zur irdischen Realität. Sie machen das unsichtbare sichtbar, sind greifbar und erlebbar. Es sind verehrungswürdige Kultbilder, davon konnten wir uns hautnah überzeugen. Gestaunt haben wir auch über die kunstvoll hergestellten Klöppelspitzen und die Pantoffeln aus Birkenrinde, die im Kloster-Museum ausgestellt waren.