· 

Gratulation ! Alles Liebe , Gute und Schöne zum Muttertag

Bayern, Heimat, Tradition, Brauchtum - gestern, heute, morgen

Ich bin dafür, aus Mutter-und Vatertag einen Familientag zu machen

Gestern war wieder Muttertag. Ich möchte schon mal vorwegschicken, was ich von diesem staatlich vorgegebenen Tag halte: Nämlich nichts. Meine drei Kinder wissen inzwischen selbst, was man als Eltern leisten muss, soll und will. Kleinere Kinder halten es meist für selbstverständlich und Teenager für eine Pflicht, für sie zu jeder Tageszeit verfügbar zu sein. Auch Partner empfinden sich mit Muttertag   überfordert, Längst ist die frühere "Traumfrau" zum "Mädchen für alles" avanciert. Sie erkennen oftmals keinen Sinn darin, Mama zu hofieren und zu beschenken. Männer haben die weitverbreitete Ansicht, dass sie den Hauptanteil geleistet haben , wenn es Familienzuwachs gibt. Die Lieferzeit von neun Monaten stecken sie locker weg und schwächeln höchstens in der Endphase im Kreißsaal, bevor das Kind das Licht der Welt erblickt hat.

 

Achtung: Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich bin mir sicher, dass die Glückwünsche meiner Kinder zum Muttertag immer von Herzen kommen. Sie versichern mir darüberhinaus oft genug, wie sehr sie mich mögen und schätzen.

Muttertag ist für mich, wenn die ganze Familie zusammen kommt

Betrachtet man das Wort "Muttertag" genau, dann heißt es im negativen Sinn, dass man die Mutter nur an einem Tag zu würdigen hat.   

 

Deshalb würde ich den Muttertag zum "Familientag" umdeklarieren. Ich freue mich am meisten, wenn wir einen gemeinsamen Tag finden, wo alle Familienmitglieder Zeit haben, sich zu einem gemütlichen Kaffeeklatsch zusammen zu setzen. In verschiedene Bezirke Bayerns verteilt und berufsmäßig sehr eingespannt, ist es schwierig, alle unter einen Hut zu bekommen. Deshalb ist es für mich wortwörtlich ein ,,Feiertag", den ich nicht als Selbstverständlichkeit betrachte, sondern ganz besonders wertschätze.

Ich brauche keine Geschenke, weil ich alles habe. Am liebsten ist es mir, wenn meine Kinder das Geld für sich selbst verwenden und sich dafür persönlich etwas Gutes tun. Ich bin glücklich, wenn es ihnen und den vier Enkelkindern gut geht und alle Familienmitglieder gesund sind. 

Ich halte nichts vom kollektiven, aufgesetzten Empfindungen

An Allerheiligen-bzw. Allerseelentag ist es ähnlich wie am Muttertag. Es wird zum kollektiven trauern aufgerufen. Und wieder haben die Gärtnereien Hochkonjunktur. Den zunehmenden Hype um das größte, aufwändigste und teuerste Grabgesteck habe ich von Anfang an nicht mitgemacht. Ich hab mich daran gehalten, wie meine Eltern gelebt haben - nämlich einfach und bescheiden. Ich finde, die Verstorbenen soll man im Herzen haben. Ich erinnere mich in gewissen Situationen an meine Eltern, halte ihre Geburtstage und ihren Hochzeitstag in Ehren und ich danke ihnen postum dafür, was sie mir an guten Ratschlägen und Hilfestellungen mit auf meinem Lebensweg gegeben haben.

Selbstgepflückte Blumen und selbstgedichtete Verse kommen immer an

Um zum Muttertag zurück zu kommen: Ich erinnere mich sehr gut an die Muttertage meiner Kinderzeit. Ich pflückte für meine Mama auf der Wiese einen schönen bunten Blumenstrauß und malte ihr ein Bild, unter das ich mit Füller in Schönschrift meinen Glückwunsch zum Muttertag darunter setzte. Ich hab mich sehr bemüht, meiner Mama eine Freude zu machen. Nicht mehr so selbstlos waren meine Gedanken, als es darum ging, ihr ein Geschenk zu kaufen. Ich musste schließlich mein Erspartes plündern und deshalb wollte diese Investition wohl überlegt sein. Nicht ohne Hintergedanken entschied ich mich, als ich im Kramerladen Friedl in Aign stand, für ,,Mohrenköpfe", die man aktuell  "Schaumküsse" nennt. Ich kann mich entsinnen, dass ich sie, nachdem ich sie auf den Tisch neben den Blumenstrauß stellte, nicht mehr aus den Augen ließ. Solange bis Mama sagte: "Evi, du darfst schon einen essen, wenn du willst!" Und wie ich wollte. Nicht einmal und zweimal, sondern solange bis alle sechs weggeputzt waren. Mama hat nur darüber gelacht. Sie hatte meine Eigennützigkeit sofort erkannt und mir den Genuss der Süssigkeiten, die damals ohnehin rar waren, von Herzen gegönnt.

Geschenke und Überraschungen sollten von Herzen kommen

Ganz verkehrt erachte ich den "Mutter-und Vatertag" dann doch nicht. Ich würde es zwar nicht als "Dankbarkeit"  bezeichnen, die Kinder Eltern entgegenbringen sollten, zumal sie von ihnen in die Welt gesetzt wurden. Wertschätzung, Respekt und Anerkennung für alles, was sie ihnen von der Geburt an auf dem Weg zum Erwachsenwerden an Gutem angedeihen lassen, trifft es eher. Es kommt meines Erachtens nicht darauf an, dass die Kinder dem aktuellen Zeitgeist angepasst werden und man sie alles was gerade angesagt ist, mitmachen lässt, sondern ihnen vielmehr Werte vermittelt, um sie lebenstauglich zu erziehen, damit sie sich in der immer turbulenter werdenden Welt zurechtfinden.  Das ist schwierig genug , wenn so viele Einflüsse von außen dazwischen funken. Sie müssen lernen, dass Familie ein Verband ist, in dem jeder seine Aufgaben zu erfüllen hat.

 

Wenn es aber von Herzen kommt, wenn Kinder ihrer Mama am Muttertag besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen und sie verwöhnen wollen, dann lässt das natürlich Mütterherzen höher schlagen. Wenn es aber nur der Erinnerung der Geschäfte und Gärtnereien zu verdanken ist, die sich damit Rekord-Umsätze versprechen, dann könnte ich persönlich gut darauf verzichten. Dann wäre es doch sinnvoller, wenn es sowohl die Schenkenden als auch die Beschenkte ganz sein lassen, weil es dann nur ein Ritual und Last für alle Beteiligten ist. Mein Tipp in diesem Fall: Mama denkt ausnahmsweise auch mal ganz egoistisch an sich und gönnt sich einen Tag, an dem sie das tut, nach was ihr zumute ist. Denn das steht ihr wie allen anderen Mitgliedern der Familie zu.