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Dritte-Welt-Land mit sehr aufmerksamer Plastiktüten-Polizei

Bayern, Heimat, Tradition, Brauchtum - gestern, heute, morgen

Ruanda macht Deutschland vor, wie man Natur und Umwelt schützt

Beim letzten Blogartikel habe ich über die Müllberge und dessen Bedrohung für die Menschheit und die Umwelt geschrieben. Es ist ein Thema, das nicht nur mich bewegt, sondern inzwischen weltweit immer brisanter wird. Am Sonntag, den 22. April hat man ihm einen eigenen Tag gewidmet. Es war  "Welttag der Erde", den man inzwischen in 175 Ländern begeht, um die Wertschätzung für die natürliche Umwelt zu stärken und dafür zu sensibilisieren, das Konsumverhalten zu überdenken. Es ist durchaus an der Zeit, sich verstärkt um die Zukunft der Erde zu sorgen, besonders wenn man Kinder und Enkel hat. 

 

Vor Kurzem sah ich zufällig eine Sendung im Fernsehen, bei der es um die ,,Plastiktüten-Polizei" in Ruanda (Ostafrika) ging, das zu den sogenannten ,,Entwicklungsländern" bzw. "Dritte-Welt-Länder" gehört. Diese sind im allgemeinen Sprachgebrauch gerne negativ behaftet.  Nach diesem TV-Bericht war mir klar, dass wir uns als sogenanntes ,,zivilisiertes Deutschland" eine Scheibe von diesen Ländern abschneiden können. Ruanda macht uns seit 2004 vor, warum. Dort sind nämlich seitdem Plastiktüten absolut verboten. Umweltschutz und Sauberkeit ist oberstes Gebot. Um das durchzusetzen, sind extra Gesetze erlassen worden, auf deren Einhaltung streng geachtet wird. 

Freundliche Empfehlungen helfen nichts, Repressalien schon

Wie ernst es Ruanda mit der Plastik-Abstinenz ist, davon zeugt die Tatsache, dass Plastiktüten-Razzien durchgeführt werden. Auch strenge Kontrollen am Flughafen bei Einreisenden und hohe Strafen bei Zuwiderhandlung der Verbote führten inzwischen zu einem vorbildlichen Erfolg. Freilich - ganz ohne Kunststoff kommen auch die Ruander nicht aus. Ausnahmen vom Plastikverbot sind jedoch streng reglementiert und bedürfen einer Sondergenehmigung. So wie zum Beispiel Hotels, die ihr Büfett mit einer Folie abdecken oder Krankenhäuser, die stabile Plastiksäcke für Klinikmüll benötigen.

Die Bürger der Hauptstadt Kigali werden jeden Samstag zu Putzarbeiten herangezogen.

 

Es gibt keinen Abfall am Straßenrand und wilde Müllkippen sind äußerst selten aufzufinden. Weder in der Stadt, noch auf dem Land. Verstöße gegen die Umweltregularien werden unverzüglich mit Strafen geahndet. In größeren Städten ist die Müllabfuhr Normalität, die Mülltrennung ist Pflicht. Wer Müll im eigenen Garten verbrennen will, begibt sich in Teufels Küche.

 

Freundliche Empfehlungen helfen nichts, nur die strikte Erziehung mit klaren Regeln und Verboten, die einer ständigen Kontrolle unterliegen, bringen Erfolg, so die Verantwortlichen in Ruanda. Und bei uns? Es werden zwar in jeder Provinzstadt Fastfood-Restaurant mit Drive-in und der Essens-Straßenverkauf genehmigt, die satte Gewinne erzielen. Um den Müll, den sich deren Kundschaft unbekümmert wieder entledigt, dafür hat die Allgemeinheit der Bürgerschaft aufzukommen. Der negative Nebeneffekt ist darüberhinaus,  die alle einheimischen und alteingesessenen Gastwirtschaften so nach und nach von der Bildfläche verschwinden.

Plastikverzicht: Nein - Gesundheitsverzicht: JA. Verrückte Menschheit

Während das ostafrikanische "Entwicklungsland" Vorreiter in punkto Plastiktütenproblem ist, überlegt die Europäische Union hin und her, wie sie den enormen Verbrauch einschränken könnte. Verkehrte Welt, kann ich da nur sagen. Ruanda hat mit dem Recyceln von Plastik inzwischen ein neues einkömmliches Geschäftsmodell auf den Weg gebracht, das Arbeitsplätze schafft und Menschen in Lohn und Brot bringt. 

 

Vor allem ist es aber die Gefährdung der Gesundheit, die man nicht ignorieren sollte. Durch die Luft und über die Haut gelangt mehr und mehr Plastik in den menschlichen Körper. Das belegen mehrere, voneinander unabhängige Studien. Ich persönlich kann auf den übertriebenen Verpackungswahn in den Geschäften verzichten. Auch wenn von der Industrie Kunststoffe aller Art sehr geschätzt werden, weil Verpackungen sehr preiswert hergestellt und an den Kunden gebracht werden können, denke ich mir, dass man vieles entbehren könnte. Es gab schließlich vor rund siebzig Jahren und davor ein Leben ohne Plastik. Auch wenn die Ware teurer wäre, ich würde mich für die Gesundheit und die Umwelt und deshalb ,,plastikfrei" entscheiden, wenn ich die Wahl hätte.