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Kartenspiel Watten illegales Glückspiel? Bayern geht's no?

Bayern, Heimat, Tradition, Brauchtum - gestern, heute, morgen

Wenn Bayern keine anderen, wichtigere Probleme hat, ist alles gut

Wenn es nicht so traurig wäre, dass es heutzutage Menschen gibt, die sich über ein unterhaltsames Kartenspiel, mit dem man sich bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Bayern in geselliger Runde die Zeit vertrieb , aufregen und sogar dafür die Justiz bemühen, wäre es direkt zum Lachen. Da fallen mir nur die drei berühmten bayrischen Worte ein: Geht's no, ha?

Als positiv eingestellter Mensch dachte ich mir, als ich den Zeitungsartikel im Dingolfinger-Anzeiger vom Gründonnerstag, den 29. März 2018 mit dem Titel Ausg'schafft gelesen habe: Wenn Bayern keine anderen Probleme hat, als so banale und lächerliche, dann geht's uns eigentlich hervorragend.

 

Ärgerlich ist es aber auf jeden Fall für die veranstaltenden Vereine, insbesondere für diejenige, die jedes Jahr unter viel ehrenamtlichen Zeitaufwand  Wattwettbewerbe veranstalten. Seit jeher sind die ausgelobten Preise von ideellen Charakter. Die Summe ist nicht nennenswert, sondern soll vielmehr ein kleiner Anreiz sein, um sich der Herausforderung zu stellen. Wenn sich die Polizei, Rechts-und Staatsanwaltschaft damit beschäftigen muss, ob man die Bezeichnungen von Startgeld auf Unkostenbeitrag abändern soll oder nur Sachpreise statt Geldpreise auslobt, obwohl für die Sachpreise das gleiche Geld ausgegeben wird, finde ich das Steuergeldverschwendung. Zumindest wenn es um die Polizei geht, denn die könnte anderweitig, wo sie wirklich gebraucht wird, besser eingesetzt werden. Auch diejenigen, die berufsmäßig den anonymen  Anschwärzern, zu ihrem angeblichen Recht verhelfen sollen, täten gut daran, zuerst die auf ihren Schreibtischen stapelnden Fälle wegzuarbeiten,  bei denen es wirklich um inakzeptable Straftaten geht.

Watten gehört zu Bayern. Es ist ein Kartenspiel zum Zeitvertreib

Watten ist kein Vergehen. Es ist vielmehr Tradition und Brauchtum,  als ein illegales Glücksspiel. Es ist Geselligkeit und Kommunikation, die gerade in der heutigen Zeit so extrem wichtig ist, wo die Leute nur noch in ihr Wischkastl (Handy)  schauen, um zu erfahren, was ihre virtuellen Freunde so treiben. Echten Menschen gegenüber zu sitzen, ihnen Zeit zu schenken und sie gemeinsam mit ihnen zu verbringen, ist meines Erachtens viel, viel mehr wert, als bei sozialen Netzwerken in die Welt hinaus zu posten und zu twittern, dass ich gerade Kuchen esse, mir ein Eis genehmige oder die Wohnung putze.

Mehr Augenmerk auf Jugendschutz, statt auf geselliges Watten

Diese Energie, langjährige liebgewonnene Gewohnheiten zu zerstören und abschaffen zu wollen, wäre sinnvoller in ein Engagement für besseren Jugendschutz im Internet investiert, Erst kürzlich hörte ich persönlich von einem Fall, wo eine 13-jährige heimlich, ohne Wissen der Eltern  bei Netflix und Amazon an Horrorfilme gelangte und diese dann in der Nacht anschaute. Fragt man Experten, ob man in den Wiedergabegeräten wie Fernsehen, Computer, Laptop, Tablet, Smartphon und was es sonst noch alles gibt, eine wirksame Sperre beziehungsweise Sicherung installieren kann, dann erfährt man, dass dies für gewiefte Jugendliche eine der leichtesten Übungen ist, diese wieder aufzuheben. Was sollen dann diese scheinheiligen Attrappen bringen? Nur um den Kunden zu suggerieren, dass man eh die nötigen Vorkehrungen getroffen hat, um Jugendliche zu schützen?

 Ich frage mich: "Was ist das für eine Welt, wo es Erwachsenen aus Profitgier und Gleichgültigkeitsgefühl egal ist, dass Jugendliche Schaden nehmen, ihre positive Entwicklung gefährden und sich damit ihre Zukunft verbauen?

Verkehrte Welt! Verbot für Watten. Freier Zugang für Gewaltfilme

Ich bin der Meinung, hier wäre die Politik gefordert, denn schließlich ist die Jugend die Zukunft eines Landes. Den Internet-Anbietern ein wenig auf die Finger zu schauen, welche Möglichkeiten sie den Jugendlichen verschaffen, um Schund zu konsumieren, wäre durchaus angebracht, zumal sich die dafür zuständigen Politiker immer wieder gerne in der Öffentlichkeit brüsten, sich für den Jugendschutz einzusetzen. Selbstverständlich sind Kinder und Jugendliche von Natur aus neugierig. Pubertierende Teenager sind auch nicht leicht von ihren Vorhaben abzubringen, wenn sie sich zum Beispiel in den Kopf gesetzt haben, ihr Handy nicht abgeben und grenzenlose Freiheit genießen zu wollen. Umsomehr liegt es an den Verantwortlichen, nicht jeden Mist ohne große Schwierigkeiten zugänglich zu machen und ohne jegliche Skrupel den Jugendschutz in strafbarer Art und Weise umgehen.

 

Den jungen heranwachsenden Menschen den Zugang für alles zu verwehren, was nicht für ihre Augen und Ohren bestimmt ist, darin könnten sich jene stark machen, die Watten als illegales Glücksspiel anprangern.

Horrorfilme können Gedächtnisnarben hinterlassen, Watten nicht

Was mich ärgert ist, dass immer gesagt wird:  

Ach, das machen doch alle Jugendlichen. Das haben wir auch gemacht! Es gibt aber verschiedene Menschen. Der eine steckt Gräuel und Grusel locker weg, der andere kommt ein Leben lang nicht mehr von diesen Bildern los.

Es soll zumindest für die Erziehungsberechtigten bessere Möglichkeiten geben, zu verhindern, dass Kinder so einfach an diesen elenden Gruselkram herankommen. 

 

Hirnforscher haben herausgefunden, dass Horrorfilme gerade bei Kindern und Jugendlichen tiefe Gedächtnisnarben verursachen können, die Ängste und psychische Störungen begünstigen.

In Zeiten, wo jeden Tag über Schreckensszenarien aller Art in den Medien berichtet wird, könnte man eigentlich auf Horrorfilme verzichten, möchte man meinen.

Dass es Menschen gibt, die bei Unfällen sterbende Menschen fotografieren und filmen, ist erschreckend und beschämend, aber leider Realität. Meist sind es Erwachsene, die damit der Jugend ein schlechtes Beispiel sind. Manche gieren anscheinend nach solchen Situationen.  Das sind die, die dann am meisten jammern, wenn ihnen was Schreckliches widerfährt.

 

Das sollte zu Denken geben, nicht das Kartenspiel Watten, das bereits seit Generationen gespielt wird. Dabei lernt man vielmehr, mit Sieg und Niederlagen umzugehen, was sowohl im beruflichen, als auch im privaten Bereich von Vorteil ist.