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Von den Römern mit Füßen getreten, aber gern getrunken

Bayern, Heimat, Tradition, Brauchtum - gestern, heute, morgen

Kelteranlage aus dem vierten Jahrhundert n.Chr. besichtigt

Reise
Die Flurbereinigung brachte in Piesport eine Kelteranlage aus dem 4. Jahrhundert zu Tage

 "Panoramafahrt Bernkastel" war der Ausflug überschrieben, der in die Weinberge am Moselufer führte. In Piesport/Minheim Landkreis Bernkastel/Wittlich machten wir Halt.

Direkt zu Füßen der Steillage des "Piesporter Goldtröpchens" hat man 1985 im Zuge der Flurbereinigung eine imposante Kelteranlage aus dem 4. Jahrhundert nach Christus zu Tage gefördert, die wir uns genauer ansahen. Einst waren hier 130 Arbeiter an den

Becken mit dem Auspressen des Weines beschäftigt. Es wurden bis zu 60.000 Liter verarbeitet. Wie die Anlagen beschaffen sind und alle dazugehörigen Daten, Fakten und Zahlen sind an den an den Wänden angebrachten Tafeln wie folgt beschrieben:

Ein Calcatorium bescherte Römern Edle Tröpfchen

Wie bei dem Kelterhaus von Piesport war auch hier eine Kelter mit schwebendem Gewicht installiert. Allerdings war der Kelterstein in diesem Falle nicht mit seiner Breit-sondern mit seiner Längsseite an der Spindel aufgehängt und schwebte über einer runden, etwa 1 Meter tiefen Grube. Durch Drehen der Spindel mittels einer Hebelstange konnte der etwa 12 Zentner schwege Gewichtsstein angehoben oder auch abgesenkt werden. Schwebte der Stein, presste der die Maische im Korb zusammen, bis er auf dem Boden auflag. Solange der Inhalt des Korbes nachgab, wurde der Stein immer wieder angehoben.

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Die westliche Kelteranlage:

 Knapp 30 Meter westlich von hier konnte 1990 die erste der beiden Kelteranlagen untersucht werden. Diese wenig größere Kelter (17 x 9 Meter) war zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Form der bereits bestehenden angebaut worden. Sie umfasste jedoch  zwei Maische-ein Preß-und zwei Mostbecken. Letztere wiesen neben Trittstufen auch Schöpfkulen auf. Zudem hatte das Preßbecken Abflüsse in beide Mostbecken, sodaß jederzeit eine Sorten-oder Qualitätstrennung vorgenommen werden konnte-

Am Moselufer bei Bernkastel gedeihen seit Langem Edle Tröpfchen

Das Moseltal ist die älteste Weinregion Deutschlands

Diese Anlage beweist, dass der Weinbau an der Mosel eine lange Tradition hat und zur Verpflichtung geworden ist. Vermutlich hatten ja vorher schon die Kelten in dieser Region Wein angebaut. Doch richtig professionell bewältigten die Römer diese Herausforderung und zwar in großen Weingütern. Wortwörtlich traten sie den Wein mit nackten Füßen, obwohl sie ihn liebten. Das Wort ,,keltern" geht zurück auf das lateinische Wort ,,calcatourium/calcare".

Nachweislich ist das Moseltal die älteste Weinregion Deutschlands. Vielleicht hat ja der gallo-römische Schutzgott "Sucellus" seinen Anteil am Erfolg der Winzer. Auch er wurde im Rahmen der Ausgrabungen gefunden. In Form eines Sandsteinrelief versteht sich. Als solcher gibt er in der von uns besichtigten Kelteranlage eine gute Figur ab.