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Perfide Anordnung der Nazis, seine Kinder zu verschicken

Bayern, Heimat, Tradition, Brauchtum - gestern, heute, morgen

Maßregelung statt Sicherheit hatte Vorrang bei Kinderlandverschickung

Irgendwie denkt man bei dem Wort Kinderlandverschickung an Ferien, Urlaub, Freizeit und dergleichen. Also alles was mit Spaß und Vergnügen verbunden ist. Fehlanzeige - es ist mit den Wirren und Schrecken des Krieges verbunden, der 1940 nach Deutschland mit voller Wucht zurückkam. Überwiegend die großen Städte waren das Ziel allierter Luftangriffe. Zwar wurde München zunächst wegen seiner geographischen Lage längere Zeit verschont. Aber als dann Anfang 1945 zweitausend Tonnen Bomben auf die Innenstadt fielen und etwa 82000 Wohnungen zerstört wurden, wäre dies einerseits ein nachvollziehbarer Grund gewesen, die Kinder zur Sicherheit aufs Land zu schicken. Jedoch war diese Maßnahme keine freiwillige Sache der Eltern, sondern eine perfide Anordnung der obersten Machthaber.  Nicht weil sie sich um Leib und Leben der Kinder sorgten, sondern vielmehr weil man deren Nationalsozialistische Umerziehung beabsichtigte. Dazu gehörte die Ausbildung zu Treue und Folgsamkeit, genauso wie ein straff durchgeführtes Tagesprogramm. Die Lager waren hermetisch abgeriegelt und das Leben darin hierarchisch organisiert. Die Kinder hatten keine Verbindung zu ihren Eltern sowie nahestehende Bezugspersonden. Demzufolge stellte sich bald großes Heimweh ein. Darüberhinaus mussten viele Kinder weitab von Zuhause erfahren, dass ihr Vater, Bruder oder Onkel im Krieg gefallen, nahestehende Menschen bei Bombenangriffen ums Leben gekommen sind oder ihr Haus oder Wohnung zerstört worden ist. Briefe, die ihnen die Angst hätte nehmen hätte können, waren einer strengen Zensur unterworfen. Das Gefühl der Verlassenheit ist der heute noch lebenden älteren Generation, die von der Kinderlandverschickung betroffen war, bis heute in unguter und negativer Erinnerung geblieben.

Zwischen 1940 bis 1945 gingen zwei Millionen Kinder in die Kinderlandverschickung, davon fast eine Million der Zehn-bis vierzehnjährigen in sogenannte KLV-Lager. Die jüngeren Kinder wurden in Gastfamilien auf dem Land untergebracht.

Ein Münchner, dem Niederbayern immer im Gedächtnis blieb

Glücklich konnten sich diejenigen schätzen, die Verwandte, Freunde oder Bekannte auf dem Land hatten. Auch diejenigen, die zufällig in bäuerliche Familien kamen, die Selbstversorger waren. So wie Karl Greif  (Kartoffelhändler) und seine Schwester aus München, die ich im vorangegangenen Artikel erwähnt habe. Obwohl auch über Bubach der Schatten des Krieges mit all seinen Schrecken lag und viele Männer entweder verwundet oder gar nicht mehr nach Hause kamen, so war zumindest für diese Kinder die Welt noch in Ordnung. Sie fühlten sich in den Familien integriert, wenngleich sie sich auch für ihr Essen und Wohlergehen nützlich machen mussten. Es herrschte eine gewisse Ordnung im Wochenablauf, die den Kindern aber Sicherheit und Ablenkung vermittelten. Karl Greif aus München ist diese Zeit anscheind sehr positiv im Gedächtnis hängen geblieben. Noch als Erwachsener fuhr er, solange es sein Gesundheitszustand zuließ, jedes Jahr gerne nach Bubach bei Mamming im Landkreis Dingolfing-Landau.