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Eine Schwalbe allein macht noch lange keinen Sommer

Bayern, Heimat, Tradition, Brauchtum - gestern, heute, morgen

Die gefiederten Glücksbringer avancieren allmählich zu Sorgenvögel

Schwalben
Schwalben auf Baugerüsten bestätigen den allmählichen Entzug des bisherigen Lebensraumes

Ein Mann verkauft seinen Mantel, weil er, nachdem er eine Schwalbe fliegen sah, davon ausging, dass der Sommer naht. Fortan muss er frieren, denn es bleibt kalt. Die zu früh zurückgekehrte Schwalbe erfriert. Aus dieser Fabel des antiken griechischen Dichters Äsop entstand das Sprichwort: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

 

Demnach müsste meine neue Heimat Radldorf zum neuen Sommer-Urlaubsort werden, denn im Neubaugebiet herrscht das große Flattern. Außergewöhnlich viele Schwalben sammeln sich auf den Dächern und Gerüststangen der neuen Häuser.

Insgesamt beklagt jedoch der Bund Naturschutz, dass diese Insektenfresser von Jahr zu Jahr seltener werden. Es ist also wortwörlich ein Glücksfall, dass sich die Schwaiberl in Radldorf heimisch fühlen, denn sie galten schon immer als Glücksbringer. Ihnen wurde im Volksglauben die Gabe zugeschrieben, vor Unwetter zu schützen.  Sie bevorzugen es, ihre Nester an Fassaden und in Ställen zu bauen.

 

Für die Schwalben ist hingegen der Mensch kein Glücksbringer. Er entzieht ihnen zunehmend den Lebensraum. Während sie früher aus Dörfern und Städten nicht mehr wegzudenken waren, sind sie inzwischen für den Bund Naturschutz zum Sorgenvogel geworden, um dessen Schutz man sich intensiv bemüht. Es gilt den Irrglauben zu entkräften, dass die tollkühnen Flugakrobaten die Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gefährden. Besorgte Bauern verschließen ihre Stallungen wegen der Hygienevorschriften und Hausbesitzer zerstören die Schwalbennester, um Verschmutzungen zu vermeiden. Der moderne Hausbau mit Flachdächern und glattem Verputz bietet sehr eingeschränkte Möglichkeiten Wo also sollen sie hin?

Zugvögel haben zunehmend Ernährungssorgen und Wohnungsnot

Eigentlich täte der Mensch gut daran, die Schwalbe, die wie jedes Individuum seine Daseinsberechtigung hat,  mit künstlichen Nisthilfen zu unterstützen. Hilfestellung dazu bietet der Bund Naturschutz unter www.nabu.de.  Neben genügend Wohnraum für sich und die Familie mangelt es diesen liebenswerten Zugvögeln auch an Nahrung.  Die Versiegelung der Landschaft und der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel, der für die Reduzierung der Insekten verantwortlich ist, sind einige Gründe hierfür. 

 

Da die Schwalben Zugvögel sind, machen sie sich gegen Ende September Anfang Oktober startklar für ihren Flug nach Süden, der wiederum viele Gefahren und Unbill in sich birgt. 5000 Kilometer sind es nach Afrika. Auf ihrer Flugroute müssen sie sich vor Greifvögeln, menschlichen Jägern, genauso vor Schlangen und Wüstentieren in Acht nehmen. Es gilt Kälteeinbrüche und Stürme zu überstehen, sowie der Hitze auszuweichen, indem sie höher fliegen. Auch ist die Ertrinkungsgefahr beim Überqueeren des Meeren nicht zu unterschätzen, denn beim kräftezehrenden Flug stellt sich unweigerlich Müdigkeit und Erschöpfung ein.

 

Ich für meinen Teil wünsche den Schwalben Guten Flug!!! Kommt heil und unversehrt wieder zurück. Ich möchte eurer interessanten, kostenlosen Flugshow vor dem Wohnzimmerfenster gerne noch lange zusehen.

 

Mitte April nächsten Jahres werden sie normalerweise wieder zurückerwartet.