Damals

Damals · 16. Oktober 2020
Meine Mutter hatte es nach der Meinung meines Vaters gut - sie war "nur" Hausfrau und konnte zuhause sitzen, während er in der Arbeit schuften musste. Es war damals eine Selbstverständlichkeit, dass die Frauen zurücksteckten und sich vom Ehemann abhängig machten. Dass sie daheim am Herd und beim Nachwuchs blieben, wurde vorausgesetzt. Ob es die Frauen heute besser haben, ist es wert, darüber nachzudenken.
Damals · 19. August 2020
Kopfschmuck wie Haarschleifen, Kränze und Hüte zu tragen, war früher zu festlichen Anlässen gang und gäbe. Wer was auf sich hielt, ließ sich damit von einem kompetenten und angesehenen Fotografen verewigen. Er bestimmte, wie man sich hinzustellen hat. Lächeln war offensichtlich nicht erwünscht. So wirken die Bilder manchmal wie versteinert oder eingefroren. Trotzdem war es eine Bereicherung, sich bei den Nachkommen in Erinnerung zu bringen.
Damals · 23. Mai 2020
Kinder sind begeisterte Beerenpflücker. Gerne nutzen sie die Gelegenheit auf den Erdbeerfeldern die süßen Früchtchen ausgiebig zu verkosten. Wenn es aber zur Pflicht wird, wie bei mir früher beim Blaubeeren und Himbeeren pflücken. dann ist der Enthusiasmus bald verflogen. Am besten schmecken sie von der Hand in den Mund oder wenn es verboten ist.
Damals · 15. März 2020
Babypuppe "Hildegard" löste meinen "Franzi aus Amerika" ab, den mir eine Tante aus einen fernen Land schickte. Sein Kopf, die Arme und Beine waren aus Porzellan und sein Körper aus ausgestopften Stoff. Weil er wegen seiner Pappendeckelzähne keine Orange essen konnte, hatte er es sich mit mir verscherzt.
Damals · 24. Februar 2020
Wer früher arm war und es im Winter warm haben wollte, musste in der Nachkriegszeit, in der ich 1948 hineingeboren wurde, das Brennholz selbst im Wald sammeln. Meine Mutter hat das viele Jahre gemacht. Sie hat es mit ihrem Leiterwagen heimgezogen, gespaltet, aufgerichtet und es portionsweise in die Küche getragen. Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich nie frieren musste.
Damals · 24. März 2019
In der Herstellung von Holzschuhen sah mein kriegsversehrter Onkel Luck die einzige Möglichkeit, sich als gelernter Zimmerer den Lebensunterhalt zu sichern. Seine Schwester, meine Mutter, half ihm dabei, in dem sie ihm zuarbeitete. Dieser Handwerksberuf dürfte inzwischen ausgestorben sein. Vielleicht werden Holzschuhe noch maschinell hergestellt, aber in dieser Form nicht mehr.
Damals · 13. März 2019
Dialekt kann manchmal für ganz schön Verwirrung und Verirrung sorgen. Als der Pfarrer zu Schulbeginn fragte, ob jemand etwas über die Bibel weiß, habe ich ihm zur allgemeinen Belustigung das Lied vom "Bibe-Hendal" vorgesungen. Ich habe mich danach lange nicht mehr im Unterricht zu Wort gemeldet
Damals · 26. Februar 2019
Als Kind fand ich es, wie meine Freunde, lustig, eine vermeintliche Hexe, die in einem Bauernhof eingesperrt war, zu hänseln. Sie wurde durch ein persönliches Schicksal irrsinnig. Die Vorgeschichte der Nazis, wie man mit geistig Behinderten umging, war nach dem Krieg in den Köpfen noch fest verankert.
Damals · 19. Februar 2019
Die Straßer-Kinder aus Koblberg hatten Anfang des 20. Jahrhunderts einen weiten Weg zur Schule in Rieden Gemeinde Soyen bei Wasserburg am Inn zurückzulegen , der rund acht Kilometer durch Wald und Flur führte. Die Straßen damals waren noch nicht so ausgebaut wie heute.
Damals · 06. Februar 2019
Ein Kettenkarussell auf einem Bauernhof war gegen Mitte des 20. Jahrhundert eine absolute Attraktion, die allerdings allgemein als Spinnerei abgetan wurde. Für einen Bauer zwischen Wasserburg am Inn und Rosenheim war es als lukrative Einnahme neben der Landwirtschaft gedacht. Genauso wie spekulative Investitionen in die aufstrebende Baubranche. Er verlor dadurch alles.

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